Illustration für Soziale NetzwerkeEine ähnliche Frage habe ich mir Anfang der 90er schonmal gestellt. Damals hieß sie „wozu brauche ich Internet?“. Breitbandzugänge kannte man nicht, das Telefon war oft noch anlog, im besten Fall auch ISDN, ebenso der Internetzugang. Die Einwahl erfolgte über Modems bzw ISDN-Karten. Und so faßte ich – Neuem gegenüber generell immer aufgeschlossen – den Entschluss, nun auch ins Internet zu gehen. Also Mac-kompatibles Modem besorgt (da gab es nicht viel), angeschlossen und die erste Einwahl getätigt. Pieeeeeep-piep, Modem wählt sich ein, die Verbindung steht, eine Seite kann aufgerufen werden. Ups, welche Seite denn? Und dann ein ratlos-neugieriger Blick auf den Monitor – ich bin im Internet – und jetzt? Suchmaschinen gab es wohl, aber wonach soll ich eigentlich suchen? Welche Firma ist denn schon im Internet? Kurzum – was soll ich denn hier?

Naja, es hat ja dann natürlich geklappt mit dem Internet. Der Breitbandzugang ist hier regional immer noch so eine Sache, wir nutzen eben den Satellit mit all seinen Unzulänglichkeiten und warten auf LTE. Aber ehrlich gesagt, das Internet wollte ich natürlich nicht mehr missen. Ist es doch zu der Informations- und Kommunikationsquelle geworden. Und wenn meine knapp 5jährige Tochter mir händeringend erklärt, dass ich jetzt mal www.kika.de aufrufen solle, weil sie dort an einem Gewinnspiel teilnehmen möchte, dann kann ich nur ahnen, was für diese Generation selbstverständlich sein wird.

Und nun wieder so eine Frage: Soziale Netzwerke. Brauche ich das? Wozu? Früher ging es doch auch ohne. Und wieder saß ich im letzten Jahr mit ratlos-neugierigen Blick vor dem Monitor. So, jetzt bin ich bei Twitter und in Facebook angemeldet. Und jetzt? Dass ich damals schon reichlich Community- und XING-Erfahrung hatte, hat mir sicherlich weitergeholfen, schneller den Einstieg zu finden als in den 90-ern mit dem Internet. Mit Twitter werde ich zwar immer noch nicht warm, aber naja, irgendwann werde ich vielleicht auch Twitter nicht mehr missen wollen. Allerdings geht es mir jetzt wieder so, wie mit dem Internet: Von meinen Kunden ist kaum einer auf Social-Media-Plattformen unterwegs. Meine Druckereidienstleister beispielsweise halten Facebook, Twitter für unnötig, der XING-Account ist zwar angelegt, aber ohne Profilfoto, Aktivitätsgrad geschätzte <20%. Und was wird passieren? Sie werden irgendwann bei meinen Anfragen nicht mehr berücksichtigt werden, weil ich andere Kanäle nutze. Wenn ich von Diensteister A über die sozialen Plattformen immer wieder etwas höre, von Dienstleister B lediglich zweimal jährlich einen Anruf mit der Frage, ob Aufträge anstehen, kriege,  zu wem habe ich dann auf Dauer das intensivere Verhältnis? Bei vielen Dienstleistern sitzt jetzt noch die Generation Geschäftsführer, die Angebote immer noch per Fax schickt, und für die E-Mail-Kommunikation revolutionär ist. Aber diese Generation wird abgelöst von einer Generation, die ganz selbstverständlich im Web 2.0 unterwegs ist. Wie schwer werden es Firmen in Zukunft haben, die sich dem Thema komplett verschließen?

Ich stehe Social Media offen und kritisch gegenüber. Einiges mag ich nicht, einiges verstehe ich nicht, einiges werde ich nicht nutzen, aber vieles möchte ich nicht mehr missen. Es macht Spaß, neues zu entdecken und andere Kommunikationsformen auszuprobieren, um zu entscheiden, ob sie für mich tauglich sind oder nicht. Auf keinen Fall möchte ich mir später den Vorwurf machen, dass ich verpasst habe, mich mit einem Medium auseinanderzusetzen, dass für unsere Kinder selbstverständlich sein wird.